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Aktuell

Würdigung  von Hans Küng, 90 Jahre,

am 19.3.2018

 

Günther M. Doliwa

Hans Küng - Grenzgänger der Theologie wider Willen

21.01.2018

 

Er ist ein Grenzgänger geworden. Ein Grenzgänger wider Willen. Er hat sich nach akuten Einschnitten durch restriktive Amtsträger der katholischen Kirche (1979/80) neu erfunden, neu erfinden müssen, und das mit Erfolg. Mit dem Verlust der Lehrbefähigung als Dogmatiker taten sich neue Türen auf, ökumenisch, als Brückenbauer zu anderen Religionen forschend aktiv zu werden. Den großen Fragen nachzugehen. Dem Grenzgänger und Abenteurer der Horizontalen „verspringt“ mit jedem Schritt der Horizont, wie Reinhold Messner erzählt. Aber das Umsetzen zwingend erfasster Projekte schenkt ein Glück, das nur Grenzgänger kennen.

 

Er war ein Großkritiker. Es machte ihm extreme Freude scharf zu werden. Ihm war Leisetreterei  wesensfremd. Mit dem Ausmaß seiner Fundamentalkritik wuchs die Zahl seiner Feinde. Der kirchen- und zeitkritische, immens fleißige, leider (auch) ein wenig strohtrockene, wegen seiner Fragezeichen hinter der Unfehlbarkeit zu Unrecht verurteilte Theologe Hans Küng war immer für eine prägnante Stellungnahme zu haben. Und da war stets alles drin: Fachwissen, Schlüsselworte, Präzision der Stoßrichtung, Brillanz in der Formulierung, Kürze und Würze. Getragen von einer welträumigen Bildung, einer fundierten Humanität, einem unbeugsamen Charakter.

Küng war kantig wie keiner.

 

Was für Religion spricht? Hans Küng antwortet: Sie ist Motivation für die Armen und ihren Kampf für Gerechtigkeit. Sie ist Emotion dank ihrer Symbole, Riten, Erzählungen, Feste. Sie ist kontinuierlich tragende Information und Zusammenhalt stiftende Orientierung für Generationen dank ihrer elementaren ethischen Werte, Normen und Perspektiven. „Christus als Licht der Völker“ (Lumen Gentium) leitet das Volk Gottes. Wer ist überhaupt das Volk Gottes? Das ist nicht einfach mit denen gleichzusetzen, die fleißig in die Kirche gehen. „Zum neuen Volk Gottes werden alle Menschen gerufen.“ Alle Völker und Menschen guten Willens sind gerufen und berufen, weltweit. Also auch Humanisten aller Art, warum nicht auch Agnostiker, Atheisten, die vielleicht bestimmte Versionen und Gottesfestlegungen ablehnen? Das Volk Gottes bündelt alle Sehnsüchte und baut „Brücken in die Zukunft“ (Crossing The Divide, Manifest für die Vereinten Nationen/H. Küng, 9.11.2001).

 

Gestützt auf ein globales Ethos, mit dem Prinzip der Menschlichkeit an der Spitze, hofft Küng auf ein Zusammenspiel der Kulturen – nicht einen Zusammenprall! - bei der Globalisierung, auf dem Weg eines umfassenden Dialogs. Der Friede zwischen den Religionen würde zu einem Weltfrieden enorm beitragen, glaubt er. Das menschlich-autonome Schaffen ist zu würdigen, die Sorge für die Gestaltung der Erde ist zu schärfen, die Gleichgewichtsstörungen sind zu beseitigen, eine sichtbare geistliche Gemeinschaft ist zu bilden, in Gütergerechtigkeit und Frieden: „die Gemeinschaft des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe“ (ebd. Nr.8). Eine aktive Gemeinschaft also ist dieses Volk, angeführt von der Leidenschaft (Passion) für das Reich Gottes, in dem der Mensch sein darf, wie er ist und was er ist.

 

In der Theologie stehen verdiente Professoren wie Hans Küng, Eugen Drewermann oder Eugen Biser dafür ein, sich das eigene Denken zu erlauben. Selbstentmündigung kommt nicht in Frage. Kaum einer von den Besten ist nicht von der Römischen Glaubensbehörde gemaßregelt worden. Sie (er-)trugen Kritik, Verriss, Schreibverbot, Amtsenthebung oder Versendung in die Wüste (Bischof Gaillot) oft so, als wäre das eine Auszeichnung. Die Besten (wie Teilhard de Chardin, Rahner, Schillebeeckx, Boff, Panikkar, Drewermann usw.) vertreten eine wahrhaft paulinische Freiheit: bestimmt, nicht stur; mitfühlend, nicht schwammig; klar und konsequent, nicht steinhart. Solche Freiheit ist allen Systemen an Klarheit und Souveränität überlegen: allen alles zu werden, alles zu ertragen, Schmähung, Rufmord, Ausgrenzung, Gemeinheiten. Im Namen dessen, von dem und zu dem sie sich gerufen fühlen. Eine Theologie der Zukunft entlarvt jede Form politischer, sozialer, geistiger und moralischer Repression als unchristlich.

 

Hans Küng ist ein Geschenk für die Katholische Kirche.

Sie muss es nur erst begreifen.

 

Günther M. Doliwa

 

Unverwechselbar

Für Prof. Dr. Hans Küng

 

Er ist mit niemand zu verwechseln, so unbedeutend war die Herkunft.

Kein Gebildeter am Hof wie anscheinend ein Moses.

Kein Fürstensohn wie Buddha allem Leid enthoben.

Kein Gelehrter wie Konfuzius mit Staatsräson.

Kein Priester und kein Patriarch in Rom oder Byzanz.

Kein Kaufmann wie Mohammed reich und weltläufig,

vom Engel Gabriel beflüstert.

Kein Herr und kein Knecht, lieber ein Freund.

 

Natürlich kann seine Ankunft in einem Kaff  wie Nazareth

kein Spektakel gewesen sein.

Er vertritt kein Gesetz, das nicht den Menschen dient.

Keinen Orden, keine ewige Moral.

Keine Partei, kein Links, kein Rechts.

Keine Auserwählten, keinen Gottesstaat.

Er provoziert zu allen Zeiten, nach allen Seiten,

durch ganz gezielte Zuwendung zum Kranken

und zu dem, der gar nicht wagt, nach seiner Würde zu fragen.

 

Was er lebt, wird zur Lehre, nicht umgekehrt:

sich nicht zu scheuen vor Konflikten;

sich nie beherrschen zu lassen – auch nicht vom Hass;

sich nicht beeindrucken zu lassen durch lange Schatten, 

die dem Licht im Weg stehen.

Er legt seine Barfuß-Spur hin, nicht immer freundlich, doch bestimmt

und unbeirrbar, so unverwechselbar wie niemand.

 

Er wirkt höchstens drei Sonnen-Jahre.

Zu verdächtig ist sein Handeln, zu liberal sein Umgang,

zu skandalös sein Erbarmen mit den Armen,

zu unkorrekt sein Auftritt und Verhalten,

zu nachsichtig insgesamt in Gottes Namen,

zu schmählich fast nicht auszuhalten, sein Schauprozess,

das Todesurteil, sein gottverlassener Untergang.

Was schiebt man ihm nicht alles in die leeren Schuhe!

 

Verhöhnt von seinen Gegnern, verleugnet durch die Bank

von seinen angeblich treuesten Begleitern, dem Ersten inbegriffen,

verlassen selbst von Gott im letzten Schrei.

So verendet er, gut dreißigjährig, doch endet er bis heute nicht.

Er wird vollendet und erhöht, uns immer schon voraus,

weil nach ihm alle Zukunft der Liebe gehört.

 

Und siehe da: seine Freiheit strahlt so souverän

wie die Sonne, steckt Licht an um Licht;

stiftet ein Liebesmahl und zündet Einfälle,

geerdet mit der neuen Rechenart einer völlig anderen Gerechtigkeit.

Im Wetteifer der Religionen um die Güte, die gut tut

und nicht Recht haben will.

So lädt dieser Ringträger alle ein, auch Nichtreligiöse, 

zur fröhlichen Friedensfeier mit Tanz und Musik.

Natürlich ins Freie.

 

 

Günther M. Doliwa, aus: Glaube Liebe Hoffnung Band II, S. 220f.

 

Lied auf Youtube Willkommen Willkommen

Mein 1. Lied auf Youtube seit dem 29.10.2017

Freundlicherweise aufgenommen von Elmar Fuchs/Tirol

 

WILLKOMMEN, WILLKOMMEN
Beitrag zur Willkommenskultur

gesungen auf der 40. Bundesversammlung von Wir-sind-Kirche Ende Oktober 2017 in Ulm. Ich wurde ins Bundesteam gewählt für zwei Jahre.

 

 

 

https://www.youtube.com/watch?v=CnC_hsqUf2c&t=1s

 

 

Neuerscheinung 2017 

 

Mein Luther-Buch zeigt das von Anfang an Umstrittene an einem, der um die Wahrheit zu ergründen Berge versetzte. 40 Abbildungen.

Einem Feature-artigen Porträt folgen moderne Thesen, Essays, Rezensionen, eine fundamentale Kritik der Rechtfertigung, Anstöße zu neuen Blickwinkeln, Lieder & Gedichte. Darunter moderne Versionen von Luther-Liedern:

"Vom Himmel hoch" und "Ein feste Burg"

bzw Friedensbereit/Ökumenische Fassung.

 

Preis: D 16,50 Euro CHF 20 ; AT 18 Euro

 

Ach, Europa! Skizzen zur Flüchtlingsfrage  2016

Hochbrisante Aspekte rund um ein Zeitphänomen, das die Nationen wiederbelebt und spaltet.

Europas dunkles Geheimnis: Afrika

Fakten, Fiktionen, Hintergründe, Visionen

 

Preis: 14,80 Euro plus Versand

Presse     

NN 14.05.2016

 

Autor Günther M. Doliwa liest aus seinem Buch und betont die Wichtigkeit von Liebe und Respekt

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